Große Köder, große Fische? In den meisten Fällen, wenn nach geeigneten Ködern für die Drop-Shot-Angelei gefragt wird, kommt die Standardantwort: Kleine Gummiwürmer oder Gummifische bis max. 10 cm. Das diese Beschränkung ein Fehler ist, durften wir inzwischen das eine oder andere Mal erleben. Andreas hat sich die ganze Sache einfallen lassen und auch ich war am Anfang skeptisch, als er mir davon erzählt hat.
Das Drop-Shot-Rig ist eine feine Angelmethode, die vor allem mit Barschen in Verbindung gebracht wird. Wir haben aber festgestellt, dass sie auch hervorragend für den Fang von Zandern und Hechten eingesetzt werden kann. Dabei werden diese Fische nicht als Beifang auf die kleinen Köder gefangen, sondern mit großen Ködern gezielt befischt. Natürlich funktionieren kleine Köder und fangen sogar hin und wieder gute Fische.
Es gibt aber gleich mehrere Gründe, großen Ködern eine Chance zu geben. Die Verwendung kleiner Köder bringt an vielen Gewässern auch den Fang von vielen, meist kleinen Fischen mit sich. Die Argumentation, dass irgendwann wohl auch die Großen beißen ist nur bedingt richtig. Natürlich beißen, gerade wenn Brutfische im Wasser sind, auch die besseren Räuber auf Kleinköder, aber oft bringen diese Köder zunächst die schnelleren Kleinfische. Durch den Drill entsteht dann so viel Unruhe, dass die Großen gewarnt sind und mit Totalverweigerung reagieren.
Ein anderes Argument für große Köder ist nach unserer Meinung, dass kleine Köder manchmal einfach unter der Wahrnehmungsgrenze der großen Fische liegen. Anders ausgedrückt: Große Fische bemühen sich nicht um kleinste Häppchen, sondern warten auf Beute, die sich lohnt, um mit minimalem Aufwand satt zu werden und überlassen das wilde Hinterherjagen ihren kleineren Artgenossen.
Natürlich basieren diese Argumente auf Vermutungen, aber wir haben tatsächlich mehrfach erlebt, dass erst große Köder die Bisse besserer Fische bringen. An manchen Tagen waren auch an vielversprechenden Stellen mit kleineren Ködern entweder nur kleine Fische oder sogar gar keine Bisse zu bekommen. Ein Wechsel auf größere Köder brachte dann oft noch Fischkontakte, wenn mit den normalen Ködern nichts zu holen war.
Zu behaupten, dass beim Angeln mit XXL-Ködern nur große Fische beißen, wäre gelogen. Kleine Hechte sind bekannt dafür, sich auf deutlich zu große Köder zu stürzen, aber Zander und Barsche stehen ihnen nach unseren Beobachtungen dabei in nichts nach. Fakt ist aber, dass die Durchschnittsgröße der gefangenen Fische teilweise deutlich ansteigt. Deshalb unser Tipp: Einfach mal ausprobieren!
Die Montage
Das Drop-Rhot-Rig für XXL-Köder wird speziell für den gezielten Fang großer Zander und Hechte eingesetzt. Deshalb reicht das sonst für das Drop-Shot-Angeln eingesetzte Gerät nicht aus und muss an einigen Stellen entsprechend angepasst werden:
Köder
Die Köder sind die Gleichen, die auch am feinen Drop-Shot-Rig benutzt werden, aber wie der Name es schon andeutet in der XXL-Ausführung. Bewährt haben sich allgemein Köder in einer Länge um 7“, also etwa 17,5 cm, und speziell diese drei: Lunker City SlugGo & Fin-S Fish und Bass Assassins 7" Shad. Diese Köder sind ausreichend groß, um einen für Großfische attraktiven Happen zu imitieren. Gleichzeitig sind diese Köder aber noch klein genug, um ohne Zusatzdrillinge gefischt zu werden. Das mag zunächst ungewohnt sein, weil diese Angstdrillinge bei der herkömmlichen Gummifischangelei und entsprechend großen Ködern fast immer eingesetzt werden. Tatsächlich ist es aber so, dass die schwerelosen Köder viel leichter vom Fisch eingesaugt werden und in der Regel voll genommen werden. Ein weiterer Grund, der gegen die Verwendung von Drillingen spricht, ist die Hecklastigkeit der Köder durch das zusätzliche Gewicht. Die verwendeten Gummis sind im Wasser normalerweise schwerelos wie ein echter Fisch und schweben am Drop-Shot-Rig waagerecht im Wasser. Durch das zusätzliche Gewicht eines Drillings wird dieses Gleichgewicht durcheinander gebracht und das Ende des Köders sinkt ab. Dass sieht nicht nur unattraktiv aus, im schlimmsten Fall kann sich der Drilling in der Schnur verfangen und die Fangaussichten endgültig zunichte machen. Drillinge am Drop-Shot-Rig sind überflüssig!
Die anfänglichen Zweifel, dass der im Kopfbereich eines großen Köders steckende Haken zu vielen Fehlbissen führen könnte, haben sich bisher nicht bestätigt. Obwohl die “Zielgruppe” von diesen Ködergrößen sicherlich die besseren Zander oder Hechte sein sollen, wurden regelmäßig kleinere Zander damit gefangen. Fehlbisse kommen natürlich vor, aber gefühlt nicht häufiger als beim normalen Jiggen mit Ködern dieser Größenordnung. Der kleinste Fisch auf einen 17,5cm Slug-Go, den ich gesehen habe, war ein Zander unter 30cm.
Rute und Rolle
Zum Zander- und Hechtangeln haben sich in den letzten Jahren extrem harte Ruten mit hohem Wurfgewicht durchgesetzt, die für den Fang der zu erwartenden Fische eigentlich absolut unnötig wären. Der Grund sind der hohe Wasserwiderstand und die extrem dickdrähtigen Haken bei der herkömmlichen Gummifischangelei. Diese Probleme treten beim Drop-Shot-Angeln nicht auf. Die verwendeten Köder sind in der Regel schlank und ohne Schaufelschwanz, deswegen erzeugen sie keinen nennenswerten Wasserwiderstand. Die Haken sind eher dünndrähtig und extrem spitz, was das haken der Fische enorm erleichtert. Einer der großen Vorteile des Drop-Shot-Rigs ist deswegen die Möglichkeit, mit relativ leichtem Gerät zu fischen. Wir benutzen spezielle Drop-Shot-Ruten, die den verwendeten Köder und das Blei noch problemlos werfen und führen können. Mehr ist nicht nötig und macht auch deutlich weniger Spaß. Für die verwendeten Rollen gilt eigentlich nur, dass die Bremse funktionieren muss und das sie die Rute einigermaßen ausbalancieren sollten. Ob Stationär oder Multi ist Geschmackssache.
Das Rig
Das Drop-Shot-Rig für XXL-Köder ist grundsätzlich so aufgebaut wie die normale Montage und wird auch so gefischt. Wo Hechte im Wasser sind, kommen als Vorfachmaterial nur Stahl oder Titan in Frage. Die Montage eines Stahl- oder Titanvorfachs wird im Artikel Hechtsicheres Drop-Shot-Rig auf dieser Seite im Detail erklärt.
Ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Einsatz eines XXL-Drop-Shot-Rigs ist die Wahl des richtigen Hakens. Bewährt haben sich stabile und vor allem möglichst scharfe Wide-Gap Offsethaken. Die Größe richtet sich dabei nach der Köderlänge. Für die empfohlenen und getesteten Köder passt ein Haken der Größe 5/0 perfekt. Ein normales Drop-Shot-Blei von 14 oder 21 Gramm vervollständigt die Montage.
Köderführung
Die Köderführung unterscheidet sich von den unter Angeltechnik beschriebenen Methode nicht wesentlich, auch hier gilt: weniger ist oft mehr. Der Köder wird mit leichten Zupfern zum Leben erweckt, zwischendurch sollte man ihn auch ab und zu einen Moment lang absinken lassen. Je größer die Köder sind, desto ruhiger und langsamer können die Bewegungen ausfallen. Fische bewegen sich in der Natur auch eher gemächlich, wenn sie sich sicher fühlen und genau das sollen die Räuber glauben. Durch seine Größe erzeugt der Köder auch so genügend Aufmerksamkeit. Am besten testet man die Köderführung einmal im Uferbereich, so sieht man am besten, wie der Köder sich verhält. Der Köder muss dabei im Wasser nicht aussehen wie ein gesunder, quicklebendiger Fisch sondern darf und soll einen etwas „kränklichen“ Eindruck machen. Ein angeschlagener, ziellos durchs Wasser taumelnder Fisch ist eine leichte Beute und genau die sollte man versuchen zu imitieren. Das funktioniert am Dropshot-Rig besser als mit jeder anderen Methode und vielleicht ist sie deshalb so gut….
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